Begegnungen mit sanften Riesen
Ende September: Das Kap ist unsere letzte Etappe einer fantastischen Reise - vom Etosha-Nationalpark durch die Namib, über Namaqualand bis hinunter ans Ende des Kontinents. Während unsere Freunde noch drei Tage Kapstadt unsicher machen, zieht es uns nach Hermanus, wo wir zwei beeindruckende Meeresbewohner anzutreffen hoffen, die wir bislang nur auf der Mattscheibe oder im Kino bewundern konnten - Wale und Weiße Haie.
antarktische Gewässer aufzupäppeln. Die vielsagende englische Bezeichnung für diese riesigen Meeressäuger stammt aus Walfang-Zeiten und steht genau dafür, was sie impliziert: den "richtigen" Wal, der so richtig viel Tran und Fleisch abwirft. Südliche Glattwale (ein dickes Dankeschön an
diesen Namensgeber!) wurden Ende der Vierzigerjahre unter Artenschutz gestellt, nachdem sie bis auf rund 200 Exemplare dezimiert waren und eine Bejagung sich nicht mehr gelohnt hat.
morgen wird's übers Wochenende rundgehen und sich mit Besuchern von nah und fern füllen, die zum Whale Watching, Picknick, Shoppen auf kleinen Märkten, Open-Air-
Konzerten oder zur Mini-Kirmes kommen. Es bahnt sich ein ganz schöner Trubel an! Bereits in Betrieb ist einer dieser monströsen Jahrmarktsattraktionen, die Sitzreihen mit kreischenden Leuten hochschleudern und wieder in fast
freiem Fall hinuntersausen lassen. An
einigen Ständen wird gebrutzelt, ein Gaukler, der wie ein lebender Obststand aussieht, wankt kopflastig um uns herum - wir wollen ihn fragen, was er darstellt, aber er visiert bereits andere Leute an und entfernt sich behäbig. Ein ganz schönes Kontrastprogramm zu unseren vergangenen drei Wochen Wüsten-Einsamkeit - auch in Bezug auf das Wetter: Es weht uns ein böiger und eisiger Wind um die Ohren, und ab und zu ergießt sich gar ein Regenschauer aus tief hängenden, schwarzen Wolken.
Hermanus-Bucht und ihre derzeitigen Gäste bieten. Dass diese so zahlreich und teilweise so nah am Ufer sein würden, hätten wir uns nicht träumen lassen. Sie dümpeln da einfach träge auf den Wellen, tauchen ab und wieder auf, blasen geräuschvoll Wasserfontänen hoch in die Luft, lassen sich rücklings treiben, den weißen Bauch aus dem Wasser gestreckt, oder "winken" in lockerer Seitenlage ganz lässig
anmutigen und kraftvollen Sprünge der Wal-Männchen, die sich offenbar produzieren, um den Weibchen zu imponieren (denken wir uns so - aber vielleicht macht's ihnen einfach nur unglaublichen Spaß). Mit welcher Eleganz an die 80 Tonnen bei einer Körpergröße von rund 18 Metern mehrere Salti hintereinander hinlegen, teilweise rückwärts, ist schon beeindruckend.
zwischendurch und lauschen dem astreinen A-Cappella-Gesang der Schwarzen, die sich vor kurzem hier eingefunden haben, um sich ein paar Rand zu verdienen und ganz fürchterlich frieren. Aber ihre Mützen, die vor ihnen auf dem Boden liegen, füllen sich schnell.
"Zivilisation" etwas übertrieben vor. Allerdings müssen wir noch nach Gansbaai/De Kelders, das zwar von Hermanus aus gesehen auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht so nah erscheint, aber satte 45 Kilometer entfernt ist. Die "Zivilisation" und somit auch jegliche Beleuchtung hört hinter Hermanus unvermittelt auf. Menschen queren im Stockdunkeln die Fahrbahn, alle möglichen Tiere setzen über die Straße, und wir fahren vorsichtshalber langsam, trotz Super-Straße.
Ecke sein. Sind wir froh! Bis wir besagte Küstenstraße finden, geschweige denn unsere Whalesong Lodge, klappern wir mangels eines genaueren Ortsplans eine weitere gute Stunde sämtliche Quer- und Längs- sowie Einbahnstraßen und Sackgassen von De Kelders ab - bei spärlichster Straßenbeleuchtung, an fast ausschließlich unbewohnten Ferienhäuschen vorbei, natürlich keine Menschenseele unterwegs, die man nach dem Weg fragen könnte. Irgendwann findet die Odyssee ihr Ende und wir stehen davor. Auge in Auge mit dem Weißen Hai
Wie gerne hätten wir eine dieser ganztägigen, von Meeres-
lediglich drei Tagen hier zu unflexibel) und sie kostet ein Vermögen (es fängt bei 500 Dollar pro Person für den Vormittag an, die Ganztagstouren liegen bei 900 - selbstverständlich ohne Sichtungs-Garantie).
Ozean. Wir kehren am Spätnachmittag zurück - eigentlich ist die Lodge ja kinderleicht zu finden. Die abendliche Suche nach dem empfohlenen Restaurant, das Freunde unserer Gastgeber gerade eröffnet haben, gestaltet sich wiederum etwas schwierig - unser De Kelders befindet sich im gewohnten, finstersten Dornröschenschlaf. Dafür haben wir eine Flasche Wein dabei, die man uns in der Lodge verkauft hat mit dem Hinweis, dass das Lokal noch keine Genehmigung zum Ausschank von Alkoholika besäße.
Bootstrip wird trotz Regen und ganz nettem Sturm telefonisch bestätigt. Treffpunkt für alle Teilnehmer ist
das Büro von "Skark Diving Unlimited" am Hafen von Kleinbaai,
den wir von gestern bereits kennen. Wir löhnen bei einer reichlich gelangweilt dreinblickenden Mitarbeiterin 180 Dollar, während hektisch im Nebenzimmer Tauchausrüstung an andere Anwesende verteilt wird. Wir brauchen sowas nicht,
ohnehin nicht
steigen. Uns genügt schon der Kick, überhaupt einen der pracht-
Wasser bestimmt saukalt...).
zwar irgendwann ziemlich grün um die Nase, hält sich aber wacker, den Blick fest auf den Horizont gerichtet.
zwischen den Stäben herausstrecken. Es wird zehn Minuten gewartet, bis sich ein Hai nähert, dann sollen alle ihre Fotos machen, und die nächsten kommen dran. Die Leute im Boot sollen nicht die Arme über die Reeling hängen, denn Haie
Wasser zu uns herauf. Dass sein Kumpel etwas Fressbares ergattert hat, ist ihm nicht entgangen. In Ermangelung eines nicht schnell genug versenkten weiteren Köders beißt er einfach mal in den Käfig. Das Mädchen, das genau dort sitzt, will zurück ins Boot.
etwas gebändigt werden - man ist sich über die Stehordnung hinter Gitter nicht einig. Das kräftige Dümpeln des Bootes sorgt für eine weitere Übelkeitswelle einiger Passagiere - was für ein Chaos! Einer der ersten Taucher berichtet, dass man im Wasser kaum etwas erkennen kann - es ist trübe und dunkel, und der Hai ist nur für Sekunden schemenhaft zu sehen. Wir sind zufrieden, in sicherer Obhut des Decks zu sein, hier einen optimalen Logenplatz zur Beobachtung der faszinierenden Raubfische zu haben und uns nicht auch übergeben zu müssen.
weist noch einmal auf das Video hin, das in ein paar Stunden im Büro erhältlich ist.